Quartiersprojekt „Heisses Hellersdorf“

Breite Beteiligung zur Klimaanpassung

Heisses Hellersdorf verbindet Klimaanpassung mit niedrigschwelliger Beteiligung in drei benachbarten Quartieren am Berliner Stadtrand mit erheblichen sozialen Herausforderungen.

Ausgangssituation

In einer bislang für Hamburg einmaligen Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft startete im Stadtteil Wilhelmsburg im September 2013 der Planungsprozess „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“. In diesem Verfahren hatten sich Akteure der Elbinseln dafür ausgesprochen, die bisher vorrangig auf die baulich / räumliche Ebene bezogenen Entwicklungsperspektiven mit Aussagen zur sozialräumlichen Entwicklung der Elbinseln zu ergänzen. Hierfür sollte ein durch lokale Institutionen und Akteure selbst gesteuerter Prozess in Gang gesetzt werden.

Träger der Beteiligung

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin.

Prozessdurchführung

L.I.S.T. – Lösungen im Stadtteil – Stadtentwicklungsgesellschaft GmbH in Kooperation mit Naturschutz Berlin-
Malchow e. V.

Beteiligungsgegenstand

Beteiligungsgegenstand war die Entwicklung konkreter lokaler Handlungsmöglichkeiten zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, hier insbesondere an Hitze und Trockenheit.

Beteiligungsziel

Ziel war es, gemeinsam mit den Menschen vor Ort Lösungen für die zunehmenden Folgen von Hitze und
Trockenheit zu entwickeln.

Beteiligte

Adressat war die Bevölkerung von Hellersdorf, die zu einem großen Teil aus vulnerablen Gruppe besteht und einen hohen Migrationsanteil aufweist.

Gestaltungsspielraum

Der Schwerpunkt lag auf der partizipativen Entwicklung und Erprobung von Klimaanpassungsmaßnahmen: Bewohnende wurden aktiv in die Planung, Umsetzung und teilweise in die anschließende Betreuung eingebunden und erhielten so konkrete Gestaltungsspielräume im eigenen Wohnumfeld, etwa bei Innenhofumgestaltungen oder der Standortbestimmung für Baumpflanzungen oder Verschattungsmaßnahmen.

Alle Ideen und möglichen Maßnahmen wurden in einem Maßnahmenkatalog gesammelt und zur
Bearbeitung an das Bezirksamt übergeben. Das einige Monate später in einem öffentlich zugänglichen Bericht über deren Umsetzung Rechenschaft ablegte.

Der Prozess

Der Beteiligungsprozesse setzte dabei konsequent auf niedrigschwellige und kontinuierliche Beteiligung. Herzstück waren die wöchentlichen mobilen „Klima-Talks“ auf dem Lastenrad, bei denen über zwei Jahre hinweg mehr als 1.000 Gespräche mit Anwohnenden geführt wurden. Ergänzt wurde dies durch kostenlose Workshops, Rundgänge, Mapping-Aktionen, kleinere Beteiligungsformate sowie die gemeinsame Umsetzung konkreter Maßnahmen. So konnten Erfahrungen, Bedarfe und Ideen der Bewohnerschaft frühzeitig in den Prozess einfließen.

Besonderer Wert wurde auf eine alltagsnahe Ansprache gelegt: Klimathemen wurden verständlich und lokal aufbereitet und mit konkretem Nutzen für die Menschen vor Ort verbunden. Gleichzeitig wurden unterschiedliche Perspektiven systematisch eingebunden – von Anwohnenden über Wohnungsunternehmen bis hin zu Fachämtern, sozialen Einrichtungen und lokalen Initiativen.

Diverse Bausteine boten Beteiligungsmöglichkeiten für Interessengruppen auf unterschiedlichen
Partizipationsebenen.

  • Klima-Labor: Mit Messstationen konnten die Bewohnenden das Mikroklima in den Quartieren untersuchen.
  • Kostenlose Workshops: Klimaschutz wird greifbar und lokal vermittelt. Zielgruppenspezifische Workshops für Senior*innen, Familien oder Fachkräfte.
  • Klima-Talk: Niedrigschwellige aufsuchende Beteiligung. Das Mapping bildete die Grundlage für die anschließende Planung der Anpassungsmaßnahmen.
  • Klima-Challenge: Gesprächsöffner und kreatives Informationsmedium mit lokalem Informationsgehalt.
  • Klimaanpassungsmaßnahmen: Partizipative Erarbeitung der Maßnahmen durch das Mapping im Klima-Talk sowie die gemeinsame Umsetzung sorgte für großes Interesse und Sichtbarkeit des Projekts im Stadtraum.
  • Netzwerkarbeit: Bestehende Netzwerke konnten genutzt und erweitert werden. Inhalte von Initiativen außerhalb von Hellersdorf wurden für die lokale Nutzung aufbereitet.

Die Prozessgestaltung wurde innerhalb der Steuerungsrunde (Bezirksamt, Quartiersmanager, Träger) entwickelt und durch die Träger umgesetzt. In quartalsweisen Steuerungsrunden wurden Umsetzungsschritte koordiniert, reflektiert und bei Bedarf angepasst. Die Quartiersräte begleiteten das Projekt fortlaufend und brachten Perspektiven aus den Quartieren ein. Die Beteiligungs-Methoden wurden in den Steuerungsrunden kontinuierlich reflektiert und an neue Bedarfe angepasst. So konnten zusätzliche Formate entwickelt werden, etwa ein Fach-Workshop zur nachhaltigen Wiesenpflege für Mitarbeitende des Straßen- und Grünflächenamts und Unternehmen vor Ort. Damit wurde auf konkrete lokale Anforderungen reagiert.

Die Beteiligung führte zu konkreten Ergebnissen im Quartier, darunter eine Innenhofumgestaltung, Hochbeete, Regenwasserspeicher und Baumpflanzungen. Viele Maßnahmen wurden gemeinsam mit den Bewohnenden entwickelt, umgesetzt und werden nun langfristig betreut.

Durch regelmäßige Reflexion, transparente Kommunikation und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten entstand ein lernender Beteiligungsprozess mit nachhaltiger Wirkung. Die Erfahrungen und Ideen wurden in einem Maßnahmenkatalog dokumentert und dem Bezirk für die weitere Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen übergeben.

Ressourcen

Für die Umsetzung standen Fördermittel des Programms “Sozialer Zusammenhalt“ zur Verfügung. Zu den weiteren Ressourcen gehörte in erster Linie das hohe ehrenamtliche Engagement in der Nachbarschaft. Das Projekt konnte an bestehende lokale Strukturen andocken, kostenfreie Räume lokaler Einrichtungen sowie Netzwerke und Kontakte in den Quartieren nutzen. Auch Erfahrungswissen und fachliche Expertise lokaler Akteure wurden gezielt eingebunden. Ein eigenes Budget für Öffentlichkeitsarbeit und lokale Netzwerkarbeit trug zudem dazu bei, die Beteiligung im Stadtteil sichtbar zu machen und eine breite Ansprache der Bewohnerschaft zu gewährleisten.

Lessions Learned

  • Gute Bürgerbeteiligung kann ganz konkrete Veränderungen im Wohnumfeld anstoßen und langfristige Netzwerke für Klimaanpassung stärken.
  • Strategische Stadtentwicklung kann auch mit so genannten beteiligungsfernen Gruppen gelingen, wenn sich der Prozess konsequent an den Bedürfnissen und Kompetenzen dieser Gruppen orientiert.
  • Gute Beteiligung hat einen kalren Plan – von dem sie dann abweicht, wenn es sinnvoll ist. Die besten Prozesse sind „lernende“ Prozesse.