Eine ungenutzte Fläche wird zum Ort für alle Generationen
In Mannheim-Rheinau wurde aus einer ehemaligen Hundewiese ein inklusiver Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsort und ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen.
Ausgangssituation
Rheinau-Mitte ist ein zentrumsferner Stadtteil in Mannheim mit überdurchschnittlichen sozialen Problemlagen. Ein Ergebnis der Kinder- und Jugendversammlung 2019 war der Unmut über veraltete Spielplätze. Besonders negatv wurde der Kroko-Spielplatz bewertet. Mit einer Fläche von 5.578 m² lag er neben der Grundschule. Er hatte ein Ballspielfeld und wenige Spielangebote. Der größte Teil war eine „Auslauffläche für Hunde“. Die Politik nahm das Anliegen mit dem politischen Beschluss auf, dort einen Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsplatz für alle Generationen zu bauen.
Träger der Beteiligung
Stadt Mannheim, Fachbereich Demokratie und Strategie
Prozessdurchführung
Die Durchführung des Prozesses erfolgte durch den Stadtraumservice Mannheim und das Planungsbüro Stadt + Natur. Aktiv mitgewirkt haben u.a.: Kinderbeaufragte & Koord.stelle BBT & Beauragte f. Menschen m. Behinderungen, Quarermanagement Rheinau, MaQua eV, Quartierbüro Rheinau, Caritasverband Mannheim, 68DEINS! Kinder- und Jugendbüro, Grundschule & Hort, Förderschule SBBZ, Jugendhaus, Realschule, Kitas, Senioreneinrichtungen, AG Barrierefreiheit Rhein-Neckar eV, Duha eV, Gem. Verein Mannheim-Rheinau eV, Polizei, 68DEINS! Jugendbeirat, Migrationsbeirat, Bezirksbeirat Rheinau, Gemeinderat Mannheim.
Beteiligungsgegenstand
Beteiligungsgegenstand war die Konzeption und Realisierung eines Mehrgenerationenspielplatzes auf einer weitgehend ungenutzten Brache.
Beteiligungsziel
Ziel war es, gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Areal zu schaffen, dass von allen Generationen angenommen wird.
Beteiligte
Adressat war die Bevölkerung von Mannheim-Rheinau, einem Stadtteil überdurchschnittlichen sozialen Problemlagen, geprägt von hoher Kinderzahl, viele Familien mit Migrationsbiografie und beengten Wohnverhältnissen.
Gestaltungsspielraum
Die konkrete Ausgestaltung des Mehrgenerationenspielplatzes erfolgte auf Grundlage der im Beteiligungsprozess erarbeiteten Anliegen. Die Planung wurde durch Fachleute erstellt und mit den Beteiligten rückgekoppelt. Ihr Einfluß auf die finale Umsetzung war hoch – zudem waren sie auch an der Umsetzung selbst aktiv beteiligt.
Der Prozess
Ab 2020 wurde trotz Corona-Pandemie ein passgenaues Beteiligungskonzept umgesetzt. Aufsuchende Formate auf Spielplätzen, Beteiligungen in Schulen, Kitas und Vereinen, Gespräche mit Eltern, Senior*innen, Menschen mit Behinderung und Hundebesitzer*innen sowie digitale Angebote führten zu einem umfangreichen Anliegenkatalog.
Die Ergebnisse wurden systematisch in die Planung überführt, der Planentwurf 2021 mit den Beteiligten rückgekoppelt.
Konflikte wurden transparent verhandelt. So konnte u.a. für die neue Ballspielfläche nach mehreren Beratungsschleifen eine Lösung gefunden werden, die den Bedarfen der Kinder und Jugendlichen entsprach und zugleich fachlichen Anforderungen genügte.
Auch in der Bauphase blieben Kinder und Jugendliche beteiligt: Sie gestalteten ein Mosaik-Krokodil, eine Freundschaftsbank und den Eingangszaun.
Zeitlich erstreckte sich der Prozess über mehrere Jahre mit über 25 Beteiligungsformaten. Diese Investition in Zeit, Personal und Budget war Voraussetzung dafür, dass Beteiligung nicht symbolisch blieb, sondern reale planerische Konsequenzen hatte.
Am 15. Juni 2024 wurde mit der feierlicher Eröffnung das Projekt abgeschlossen. Heute bietet die parkähnliche Anlage Wasserspiel, barrierefreie Spielgeräte, Calisthenics, Ballspielfläche u.v.m. für alle Generationen. Der neue Ort ist dauerha ftbelebt, wird für Feste genutzt und durch Umweltpaten und Schulen mitgetragen. Aus einer wenig genutzten Fläche entstand durch konsequente Beteiligung ein identitätsstiftender Treffpunkt im Quartier mit sichtbarem Mehrwert für Lebensqualität, Teilhabe und Zusammenhalt.
Ressourcen
Für den Platz wurden zunächst 1 Mio. € bereitgestellt, später um 800.000 € aufgestockt, um Beteiligungsergebnisse umsetzen zu können. Personelle Ressourcen kamen vor allem vom Stadtraumservice Mannheim/ Spielplatzplanung, dem beauftragten Landschaftssarchitekturbüro, der Kinderbeauftragten, dem Quaretirmanagement, dem Quartierbüro, vom 68DEINS! Kinder- und Jugendbüro, der Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderungen, der Koordinierungsgruppe Bürgerbeteiligung sowie zahlreichen Einrichtungen vor Ort.
Lessions Learned
- Gute Bürgerbeteiligung braucht Rückkopplung. Wenn alle Anregungen sichtbar einfließen bzw. bearbeitet werden, entsteht ein Ergebnis, das auch breit mitgetragen wird.
- Ein Vorhaben für alle Generationen kann und muss auch alle Generationen beteiligen. Je intensiver deren Interessen in der Beteiligung selbst verhandelt werden, desto geringer das spätere Konfliktpotential.
- Gute Beteiligung muss nicht mit dem Abschluss der Planungen enden. Hier haben vor allem Kinder- und Jugendliche auch bei der Umsetzung aktiv mitgearbeitet.