Miteinander planen für die Elbinseln

Ko-kreative Entwicklungsplanung für Wilhelmsburg und die Veddel

Nicht nur ein einzelnes Vorhaben, sondern die langfristige Entwicklung eines gesamten Stadtteils stand im Fokus dieses Beteiligungsprozesses, der zugleich auch dauerhafte zivilgesellschaftliche Strukturen entwickelte.

Ausgangssituation

In einer bislang für Hamburg einmaligen Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft startete im Stadtteil Wilhelmsburg im September 2013 der Planungsprozess „Perspektiven! Miteinander planen für die Elbinseln“. In diesem Verfahren hatten sich Akteure der Elbinseln dafür ausgesprochen, die bisher vorrangig auf die baulich / räumliche Ebene bezogenen Entwicklungsperspektiven mit Aussagen zur sozialräumlichen Entwicklung der Elbinseln zu ergänzen. Hierfür sollte ein durch lokale Institutionen und Akteure selbst gesteuerter Prozess in Gang gesetzt werden.

Träger der Beteiligung

Bezirksamt Hamburg-Mitte

Prozessdurchführung

Stiftung Bürgerhaus Wilhelmsburg

Beteiligungsgegenstand

Beteiligungsgegenstand war die Entwicklung eines langfristigen sozialräumlichen Handlungskonzeptes.

Beteiligungsziel

Ziel der Beteiligung war ein Bürgergutachten zum Entwurf des Zukunftsbildes Elbinseln 2013+. Es ging darum, die Grundlinien dieses Entwicklungskonzepts mit der Bevölkerung zu erörtern und Impulse zu erhalten zur Wohnungsbauentwicklung, zur Freiraumentwicklung, zum Fahrradverkehr, zu sozialer Infrastruktur, zum Zusammenleben und zur lokalen Ökonomie.

Beteiligte

Adressat war die Bevölkerung der Elbinseln insgesamt. Da der überwiegende Teil der Einwohner einen Migrationshintergrund hat und / oder sozioökonomisch schwächer gestellt ist, stand die Aktivierung dieser Gruppen besonders im Fokus. Schließlich sollten Jugendliche einbezogen werden, da die Bevölkerung auf den Elbinseln überdurchschnittlich jung ist.

Gestaltungsspielraum

Das Bürgergutachten sollte Impulse und Anregungen für das von der Bürgerschaft im Anschluss zu beschließende Rahmenkonzept „Hamburgs Sprung über die Elbe – Zukunftsbild 2013+“ liefern, in die zahlreiche Vorschläge später auch tatsächlich aufgenommen wurden.

Der Prozess

Um die heterogene Bevölkerung (60 Prozent Migrationshintergrund) so breit wie möglich anzusprechen, wurden zunächst Milieu- und Stakeholder-Analysen durchgeführt, Fokusgruppen befragt, eine Vielzahl aufsuchender Formate durchgeführt und Multiplikatoren aktiviert.

Aus den Analysen wurden drei Haupt-Zielgruppen ermittelt (Moderne Milieus in prekären Lebensumständen, Kreative und Experimentalisten, Wertkonservative Migranten), die größenmäßig relevant und über die etablierten Netzwerke und Strukturen schwer zu erreichen sind. Die Teilnehmer an den milieuspezifisch zusammengesetzten Fokusgruppeninterviews erhielten eine Aufwandsentschädigung.

In der Folge warben Multiplikatoren (z. B. Vorsitzende von Moschee-Vereinen, lokale Aktivisten der Kreativszene) für eine Beteiligung. Zur Auftaktveranstaltung lud der Ortsamtsleiter 1.000 zufällig ausgewählte Einwohner persönlich ein. Anschließend gab es themenspezifische Gesprächsrunden und 25 aufsuchende Stadtteilgespräche.

An den Fokusgruppen-Interviews nahmen ca. 60 Personen teil. Die Stadtteilgespräche erreichten 224 Personen. In den zwölf Themengruppen nahmen 382 Menschen an insgesamt 82 Arbeitssitzungen teil, viele davon mehrmals. Zu zwölf öffentlichen Informationsveranstaltungen mit Experten kamen über 1.000 Menschen.

Das Bürgergutachten wurde für die Erstellung des Rahmenkonzepts „Hamburgs Sprung über die Elbe – Zukunftsbild Elbinseln 2013+“ ausgewertet. Der Stadtentwicklungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft realisierte im Nachgang eine öffentliche Anhörung (ca. 80 Teilnehmer).

Im Anschluss an das Hauptverfahren führte das Bezirksamt Hamburg Mitte im Herbst 2014 zwei Veranstaltungen zur bezirklichen Auswertung des Bürgergutachtens durch (jeweils ca. 80 bis 100 Teilnehmer). Im April 2016 fand eine weitere „Inselkonferenz“ zur Gesamtentwicklung statt (ca. 100 Teilnehmer).

Ressourcen

ca. 100.000 € für die Durchführung des Verfahrens (Verfahrensbetreuung, Veranstaltungen, Fokusgruppeninterviews, Milieu- und Netzwerkanalysen, Öffentlichkeitsarbeit, Veröffentlichung)

Lessions Learned

  • Beteiligung macht gerade in der Stadtentwicklung auch in frühen Phasen Sinn, wo es noch um allgemeine Strategien geht, nicht nur um konkrete Vorhaben.
  • Es lohnt sich, zunächst ausreichend Zeit und Ressourcen in eine genaue Lokalisierung der unterschiedlichen Betroffenengruppen zu investieren. Er dann kann ein guter Prozess mit maßgeschneiderten Formate gestaltet werden.
  • Strategische Stadtentwicklung kann auch mit so genannten beteiligungsfernen Gruppen gelingen, wenn sich der Prozess konsequent an den Bedürfnissen und Kompetenzen dieser Gruppen orientiert.
  • Eine langfristige Partizipationsidee wie in diesem Fall durch Organisation der „Inselkonferenzen“ kann aus punktueller Beteiligung eine breite zivilgesellschaftliche Aktivierung entstehen lassen.