Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung und das Berlin Institut für Partizipation vergeben seit 2023 jährlich die Auszeichnung “Gute Bürgerbeteiligung” an öffentliche Träger (insbesondere Städte, Gemeinden und Kreise) für qualitativ hochwertige Beteiligungsprozesse. Ausgezeichnet werden herausragende Projekte, die als Beispiel für gute Bürgerbeteiligung dienen können.
Auch 2026 sind wieder mehr als 50 Bewerbungen eingegangen. In einem zweistufigen Verfahren wurden letztlich 3 Preisträger ausgewählt:
- Die Stadt Mannheim (Baden-Württemberg) erhielt die Auszeichnung für ihre Beteiligung zum Mehrgenerationenpark Plankstadter Straße in Mannheim-Rheinau.
- Der Berliner Bezirk Mahrzahn-Hellerdorf wurde für das Quartiersprojekt „Heisses Hellersdorf“ ausgezeichnet.
- Das Amt Goldberg-Mildenitz (Mecklenburg-Vorpommern) erhielt die Auszeichnung für ihr Projekt „Zukunft Goldberg-Mildenitz – Räume für Engagement und Zusammenhalt“
Erstmals wurden 2026 auch zwei Kommunen für besonders gelungene Kinder- und Jugendbeteiligung ausgezeichnet:
- Die Gemeinde Moritzburg in Sachsen erhielt die Auszeichnung für das Projekt: „Kinder-Zukunfts-Rat“.
- Die Stadt Dorsten (Nordrhein-Westfalen) wurde für das Für das Projekt: „Kinder gestalten Dorsten – Kinderbürgermeister & Kinderkonferenz“ ausgezeichnet
Über die ausgezeichneten Projekte
Mehrgenerationenpark Plankstadter Straße in Mannheim-Rheinau
Was entsteht, wenn aus einer wenig genutzten Fläche ein Ort für alle Generationen wird?
In Mannheim-Rheinau wurde aus einer ehemaligen Hundewiese ein inklusiver Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsort. Mannheim ist mit rund 330.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine der größten Städte des Landes Baden-Württemberg. Rheinau ist ein zentrumsferner Stadtteil mit besonderen sozialen Herausforderungen.
Ausgangspunkt war die Kinder- und Jugendversammlung 2019. Ab 2020 folgte ein mehrjähriger Beteiligungsprozess: aufsuchende Angebote, Beteiligung in Schulen und Kitas, Gespräche mit Familien, Seniorinnen und Senioren, Menschen mit Behinderung und Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern sowie digitale Formate.
Das Besondere: Alle Rückmeldungen flossen sichtbar in die Planung ein – auch bei kontroversen Fragen. Und selbst in der Bauphase gestalteten Kinder und Jugendliche mit: ein Mosaik-Krokodil, eine Freundschaftsbank und der Eingangszaun entstanden gemeinsam. Heute gibt es dort unter anderem ein Wasserspiel, barrierefreie Spielgeräte, Calisthenics und eine Ballspielfläche – ein lebendiger Treffpunkt für alle Generationen.
„Zukunft Goldberg-Mildenitz – Räume für Engagement und Zusammenhalt“.
Was entsteht, wenn Bürgerinnen und Bürger ihre Zukunft nicht nur diskutieren, sondern selbst gestalten?
In Goldberg-Mildenitz wurde genau das erprobt: Über mehrere Jahre entstand gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Zukunftskonzept – und daraus konkrete, bürgergetragene Projekte. Eine Modellregion in Mecklenburg-Vorpommern: ein Amt, fünf Gemeinden und 36 Dörfer. Gemeinsam stellte sich die Region der Frage: Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten?
Das Besondere: Der Prozess begann mit über 20 Küchengesprächen, Zukunftswerkstätten und lokalen Räten. Bürgerbotschafter und der Mildenitzrat sorgten dafür, dass die Beteiligung in der gesamten Region verankert wurde. Ein Regionalbüro begleitete die Umsetzung. Die Beteiligung blieb nicht bei Ideen. Bis Ende 2025 entstanden 65 bürgergetragene Projekte – von neuen Begegnungsorten bis zu ganz konkreten Projekten in den Dörfern. Die Bürger entwickelten mit, entschieden mit und setzten selbst um.
Projekt „Heisses Hellersdorf“
Was passiert, wenn Klimaanpassung nicht nur geplant, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort gestaltet wird?
In Hellersdorf wurde über zwei Jahre gemeinsam daran gearbeitet, die drei benachbarten Quartiere besser auf Hitze und Trockenheit vorzubereiten – niedrigschwellig, vor Ort und mit konkreten Mitgestaltungsmöglichkeiten.
Marzahn-Hellersdorf verbindet vielfältige Quartiere und soziale Herausforderungen mit dem Anspruch, Klimaanpassung direkt im Wohnumfeld wirksam zu machen. Das Herzstück: der mobile Klima-Talk auf dem Lastenrad. Über 1.000 Gespräche brachten Erfahrungen und Ideen der Bewohnenden in den Prozess ein. Workshops, Rundgänge und Mapping-Aktionen ergänzten die Beteiligung.
Das Besondere: Aus Beteiligung wurden sichtbare Veränderungen – mit Innenhofumgestaltungen, Hochbeeten, Regenwasserspeichern und Baumpflanzungen. Gemeinsam mit Verwaltung, Wohnungsunternehmen und lokalen Einrichtungen entstanden konkrete Lösungen und dauerhafte Netzwerke.
Kinder-Zukunfts-Rat – Ein Bürger:innenrat mit Kindern in der Gemeinde Moritzburg
Was passiert, wenn Kinder selbst zu Zukunftsforscherinnen und Zukunftsforschern werden und ihre Gemeinde mitgestalten?
In Moritzburg wurde erstmals ein Bürger:innenrat mit Grundschulkindern umgesetzt – zum Thema Sport und Bewegung. 19 Kinder aus zwei Grundschulhorten wurden über ein anonymisiertes Losverfahren ausgewählt. In acht moderierten Sitzungen erkundeten sie die Sportstätten ihrer Gemeinde, führten Ortsbegehungen durch, fotografierten Mängel und sprachen mit Expertinnen und Experten aus Politik, Schule und Sportvereinen.
Das Besondere: Die Kinder bekamen nicht nur eine Stimme – sie konnten gemeinsam konkrete Empfehlungen entwickeln und darüber selbst abstimmen. So forderten sie unter anderem sichere und ganzjährig nutzbare Sportplätze, bessere Ausstattung und mehr Mitbestimmung von Kindern. Bei einer öffentlichen Übergabe präsentierten die Kinder ihre Ergebnisse persönlich der Politik und Verwaltung. Die Empfehlungen wurden anschließend dem Gemeinderat und den Ortschaftsräten vorgelegt.
„Kinder gestalten Dorsten“ – Kinderbürgermeister & Kinderkonferenz
Wie sieht Demokratie aus, wenn Kinder von Anfang an mitgestalten?
In Dorsten wird Kinderbeteiligung seit 2020 fest verankert: Grundschulkinder wählen ihre Kinderbürgermeister und bringen ihre Ideen direkt in Politik und Verwaltung ein.
Dorsten setzt dabei auf eine frühe und vielfältige Beteiligung von Kindern – in der Schule, im Rathaus, vor Ort und digital. Jährlich vertreten ein Mädchen und ein Junge die Interessen der Grundschulkinder. Bei der 2025 gestarteten Kinderkonferenz entwickeln über 50 Kinder gemeinsam einen Kinderstadtplan – mit Spielplätzen, Treffpunkten und ihren Lieblingsorten. Weitere Kinder können online eigene Ideen ergänzen.
Das Besondere: Die Kinder werden nicht nur gefragt – sie erleben, dass ihre Ideen aufgegriffen, geprüft und beantwortet werden. Kinderbriefkasten, Schulaktionen, Gespräche mit dem Bürgermeister und konkrete Beteiligung an Projekten machen Demokratie unmittelbar erlebbar.
Weitere Informationen, Interviewpartner und Bildmaterial erhalten Sie bei: Daniel Kuhlemann, Berlin Institut für Partizipation, daniel.kuhlemann@bipar.de, 030 120826110.