Gruppendenken

Gruppendenken ist ein psychologisches Phänomen. Dabei passen Menschen ihre eigene Meinung an die erwartete Gruppenmeinung an, um Harmonie zu wahren und Konflikte zu vermeiden.

Das kann Beteiligungsergebnisse verzerren, weil selbst fachkundige und urteilsfähige Menschen Entscheidungen treffen, die weniger sachgerecht oder stärker von der Realität entfernt sind, als es bei einer individuellen Abwägung zu erwarten wäre. Ursache dafür ist häufig, dass die Beteiligten ihre eigene Einschätzung an das anpassen, was sie für die vorherrschende Haltung innerhalb der Gruppe halten.

Auf diese Weise können Entscheidungen oder Kompromisse zustande kommen, denen die Gruppe insgesamt zustimmt, obwohl die einzelnen Mitglieder sie außerhalb dieser Gruppensituation möglicherweise zurückweisen würden. Begünstigt wird das Phänomen, wenn Beratungen weitgehend unter Ausschluss äußerer Perspektiven stattfinden und kritische Impulse von außen fehlen.

In besonders ausgeprägten Fällen ordnet eine Person ihr eigenes Urteil nahezu vollständig den Überzeugungen einer Gemeinschaft unter, der sie angehört oder angehören möchte. Eine solche Konstellation kann beispielsweise in religiösen Vereinigungen, politischen Parteien oder anderen Gruppen entstehen, die gemeinsam Entscheidungen treffen. Eigenständiges Prüfen, Zweifel und kritische Einwände verlieren dabei zunehmend an Bedeutung oder verschwinden vollständig.

In der Bürgerbeteiligung steigt das Risiko für Gruppendenken, wenn kritische Expertise nicht einfließt. Aber auch Formate, die die Beteiligten in derselben homogenen Gruppe mehrere Tage intensiv methodisch steuern, bergen dieses Risiko. Besonders bei Bürgerräten ist deshalb große Sorgfalt geboten.