Astroturfing bezeichnet das gezielte Vortäuschen einer unabhängigen Bürgerbewegung, obwohl diese tatsächlich von Unternehmen, Verbänden oder anderen Interessengruppen organisiert oder finanziert wird. Ziel dieser Inszenierung ist es, die hohe Glaubwürdigkeit zu nutzen, die authentischen Bürgerinitiativen häufig entgegengebracht wird.
Die Bezeichnung geht auf den Markennamen AstroTurf, einen Kunstrasen, zurück. Sie verdeutlicht den Gegensatz zwischen künstlich erzeugtem und tatsächlich aus der Bevölkerung entstandenen Engagement.
Bei derartigen Scheininitiativen werden Unterstützerinnen und Unterstützer häufig gewonnen, ohne über die eigentlichen Auftraggeber oder Geldgeber informiert zu sein. Werden die finanzierenden oder organisierenden Akteure dagegen offen benannt und engagieren sich Bürgerinnen und Bürger bewusst für deren Anliegen, spricht man von Grassroots-Lobbying. Die Wurzeln des Astroturfings reichen bis in die 1970er Jahre in den USA zurück; seit den späten 1990er Jahren wird diese Strategie zunehmend auch in Europa eingesetzt.
Astroturfing kann sowohl von den Organisatoren eines Beteiligungsprozesses als auch von dessen Teilnehmenden ausgehen. Inszenieren beispielsweise Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen Beteiligungsverfahren, um den Eindruck einer breiten gesellschaftlichen Relevanz zu erzeugen und/oder anschließend ihre bevorzugten Positionen als vermeintliches Ergebnis der Beteiligung darzustellen, handelt es sich um eine Form des Astroturfings im Beteiligungskontext.
Ebenso können wirtschaftlich finanzierte Interessengruppen offene Beteiligungsverfahren gezielt nutzen, um Positionen durchzusetzen, die in der Bevölkerung nur geringe Unterstützung fänden. In diesem Zusammenhang weist Astroturfing enge Parallelen zum Phänomen der Kampagnen-Beteiligung auf.